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07.04.2010 09:13:57

... UND DIE WELT STEHT STILL - Die Magier von Montparnasse

Im Paris des Jahres 1926 wird das Quartier Montparnasse zu einem Sammelpunkt für Künstler und Kulturschaffende aus aller Herren Länder. Günstige Mieten und eine weltoffene Einwohnerschaft locken Schriftsteller, Maler, Dichter und Musiker in das Viertel, das sich schnell zum intellektuellen Mittelpunkt nicht nur der französischen Hauptstadt entwickelt, sondern das bald ganz Europa in seinen Bann zieht. In diesem einzigartigen Metier, dessen Spuren sich auch heute noch finden lassen, hat Oliver Plaschka, der vor zwei Jahren für sein Debutwerk „Fairwater oder Die Spiegel des Herrn Bartholomew“ mit den Deutschen Phantastikpreis ausgezeichnet wurde, seinen neuen Roman „Die Magier von Montparnasse“ angesiedelt.
BILDERSTRECKE
Die Magier von Montparnasse
PRODUKTINFORMATION
DIE MAGIER VON MONTPARNASSE

VERLAG: Klett-Cotta
AUTOR: Oliver Plaschka
SEITEN: 400 | Gebunden mit Schutzumschlag
PREIS: 21,90 € | Im Handel erhältlich
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Hier, in diesem so kreativen, aber auch verarmten Viertel, leben neben dem erfolglosen Schriftsteller Gaspard auch Alphonse, der bärbeißige Wirt des „Jardin“, einem kleinen Hotel am Boulevard Raspail, und dessen junge Kellnerin Justin. Wie die anderen Einwohner der französischen Metropole werden auch sie plötzlich von einem seltsamen Phänomen aus ihrem täglichen Einerlei gerissen: ein Dämmerlicht unerklärlicher Herkunft legt sich eines Tages über Montparnasse und schließlich über Paris.

Hinter diesem äußerst verstörendem Ereignis scheint der Bühnenzauberer Ravi, der mit seiner Assistentin Blanche bis vor kurzer Zeit in einem der zahlreichen Varietés des Viertels dem Publikum seine Tricks darbot, zu stecken. Hielt dieser sich bisher eisern an jene Regel, die als die älteste der Zauberkunst galt und gilt und die besagt, niemals vor den Augen von Zuschauern wahre Magie zu nutzen, zwingt ihn ein bedeutsamer Umstand, sich eines Tage über diese hinwegzusetzen und sie zu brechen. Die geheime Société, die Wächterin aller Magie, ist schnell über die seltsamen Vorgängen in Paris informiert und reagiert alarmiert: umgehend schickt sie ihre Vertreter nach Montparnasse, um den Ursachen auf den Grund zu gehen, wo sie im Hotel Jardin schließlich auf Ravi und Blanche treffen. Dort findet vor den Augen von Justin, Gaspard und Alphonse ein äußerst ungewöhnliches Zusammentreffen statt, dass nicht nur die Anwesenden, sondern gleich die ganze Stadt in seinen Bann zu ziehen scheint. Wirkt das sonst so quirlige Leben in ganz Paris doch plötzlich wie eingefroren. So erwecken die Kirchenglocken von Notre Dame de Paris oder des Invalidendoms den Eindruck, ihren Dienst zu versagen zu wollen, wenn sie ihrer Aufgabe nachkommen sollen, die richtige Zeit zu läuten. Als schließlich selbst das mächtige Foucaultsche Pendel im Chor von Saint-Martin-des-Champs in seinem Schwung innehält, scheint die ganze Welt im wahrsten Sinne des Wortes stillzustehen...

Eintagsfliege oder die große neue Autorenhoffnung? Diese Frage durfte man sich durchaus stellen, nachdem Oliver Plaschka mit seinem gelungenen Debutroman für Begeisterung allenthalben sorgte. Sollten tatsächlich noch Zweifel am außergewöhnlichen Talent das Nachwuchsschriftstellers bestanden haben, dürfte „Die Magier von Montparnasse“ diese endgültig und für alle Zeit ausräumen. Wie schon der Erstling, wartet auch das neue Werk Plaschkas mit höchst originellen, ungewöhnlichen Ideen auf, wie man sie eher aus der englischsprachigen fantastischen Literatur kennt. Der mit viel Liebe zum Detail gezeichnete Hintergrund der Erzählung, das Pariser Künstlerviertel, wird angefüllt mit ebenso schillernden wie hochinteressanten Charakteren, die im Handumdrehen die Sympathien des Lesers gewinnen. Doch Oliver Plaschka erweist sich nicht nur als Könner, wenn es darum geht, ausgefallene Ideen zu entwickeln, sondern brilliert auch in ihrer Umsetzung. So überzeugt „Die Magier von Montparnasse“ mit viel Witz und einem höchst geistreichen Stil, der seinen Teil dazu beiträgt, den Roman zu einer wahren Ausnahmeerscheinung zu machen. Die Devise kann daher nur lauten: Unbedingt Lesen!

DER AUTOR | OLIVER PLASCHKA
Mit seinem 2007 erschienenen Debutroman „Fairwater oder Die Spiegel des Herrn Bartholomew“ setzte der 1975 geborene Oliver Plaschka gleich ein deutliches Ausrufezeichen, dass für einige Wellen in der deutschen Fantasyszene sorgte und ihn schlagartig einer breiten Leserschaft bekannt machte. Die acht Episoden aus der Kleinstadt Fairwater, dem Venedig Marylands, begeisterten nicht nur die Leserschaft, sondern wussten auch die Kritik zu überzeugen. Die Geschichten um die rätselhaften Bewohner der kleinen, von zahlreichen Kanälen durchzogenen Stadt, brachten Plaschka nicht nur Vergleiche zu Matt Ruff ein, sondern 2008 auch die Auszeichnung für das beste deutschsprachige Romandebut im Rahmen des Deutschen Phantastikpreises. Erstmals als Autor trat Oliver Plaschka, der an der Universität in Heidelberg Anglistik und Ethnologie studierte, im Rahmen seiner Mitarbeit am „Narnia“-Rollenspiel in Erscheinung. Mit „Die Magier von Montparnasse“ veröffentlicht er nun seinen ersten Roman beim renommierten Verlagshaus Klett-Cotta. Oliver Plaschka lebt und arbeitet in Speyer.