KEULE BEULE - Aargh!Tect
GENRE: Brettspiel
VERLAG: Heidelberger Spieleverlag
AUTOR: Walter Obert
GRAFIK: Jochen Eeuwyk
SPIELER: 4 - 8
ALTER: Ab 8 Jahren
DAUER: 45-60 Minuten
SPIELINHALT: 2 graue Pappsteinplatten, 24 Bauprojektkarten, 2 aufblasbare Keulen, 10 Holzbausteine, Spielregeln
PREIS: 29,95 €
Wer hätte gedacht dass sechs Worte und ebenso vielen Bewegungen soviel Spaß machen können. Der Südtiroler Walter Obert hat es offensichtlich, denn der Spieleautor, bisher für klassische Brettspiele wie „Chang Cheng“ bekannt, bringt uns mit „Aarg!Tect“ in Bewegung, wie es zuletzt nur Bewegungsspiele vor der Wii oder früher das bekannte Krabbelspiel „Twister“ vermocht haben. So lautet für jeden Steinzeitarchitekten die oberste Devise: Sei bereit, dich deiner Abstammung zu stellen und mache dich komplett zum Affen! Denn wer zum ersten Mal einem „Aargh!Tect“ Spiel beiwohnt, lernt schnell, dass Hemmungen mehr als hinderlich sind.
Mittels lediglich sechs Worten, namentlich „Ugungu“, „Karungu“, „Konguku“, „Manungu“, „Akungu“ und „Kaghingu“ (siehe Kasten) gilt es in diesem Teamspiel für den Architekten seinem Arbeiter (auch der Einsatz mehrerer Hilfskräfte ist möglich) nun zu sagen, was er zu tun hat. Dabei hat jedes Wort zwei Bedeutungen, die man unterscheiden kann, in dem man das Wort zweimal ausspricht: mit „Kaghingu Kaghinghu“ wäre also „rechts“ gemeint. Aber Vorsicht! Wo ist rechts, wenn man sich gegenüber steht und sitzt? Als Arbeiter findet man das ziemlich schnell heraus, denn zwei Schläge auf den Kopf mit der dem Spiel beiliegenden, aufblasbaren, Keule, zeigen, dass etwas falsch ist. Aber selbst wenn man etwas richtig macht, gibt es keine Chance den Schlägen zu entkommen, denn ein Schlag bedeutet „OK!!“.
Einziger Trost für die so geschundenen Arbeiter, macht der „Aargh!Tect“ selbst etwas falsch, muss er sich auch selbst auf den Kopf hauen. Und nicht nur das: Um die Farbe des jeweiligen Bauteils anzuzeigen, darf er generell nichts sagen, sondern muss diese immer durch pantomimische Bewegungen darstellen. Doch da sind keine Handbewegungen gefragt, sondern echter Körpereinsatz. Hände überm Kopf heißt „rot“, bei „gelb“ ist schon mehr Einsatz nötig, denn hier gilt es den Kopf hin und her zu wackeln und bei „grün“ muss man sogar mit dem Allerwertesten vor seinen Arbeitern herumwackeln. Wie das aussieht, wenn man so in schneller Folge Befehle in Ton und Bild von sich geben will, muss man selbst erlebt haben. Füße aufstampfen („weiß“), Hände auf die Oberschenkel klatschen („blau“) und die Schultern zucken („grau“) runden das Bild des urzeitlichen „Aargh!Tect“-en ab, was den Körpereinsatz bei Spielen wie „Activity“ und „Scharade“ geradezu verblassen lässt.
Damit aus dem Spaß „Aargh!Tect“ auch ein Spiel wird, gilt es Bauwerke in Konkurrenz zu mindestens einem weiteren Team zu erstellen. Ob ein Gebäude am Ende korrekt erstellt worden ist, beurteilt dabei wiederum der Gegner. Schließlich gilt es, die richtige Positionierung der farblich fünf verschiedenen Bauklötzchen genau so wie die der Bodenplatte, welche gemeinerweise zudem selbst zwei Farb- oder besser Grauseiten aufweist, eingehalten zu haben. Grunzen die Steinzeitler des anderen Bautrupps zustimmend, erhält man die auf den Bauprojektkarten aufgedruckten Punkte für das eigene Team. Und schon geht es weiter, in dem der eigene Steinzeitarchitekt sich die nächste Bauprojektkarte aus insgesamt vierundzwanzig verschiedenen greift. Nicht fertiggestellte Objekte geben übrigens immer einfach einen Minuspunkt. Genauso verhält es sich, wenn etwas anderes als Steinzeitsprache während des Spiels benutzt wird. Wer also versucht, etwas anderes zu machen als vorgegeben, dessen Karte wird entfernt und das Team bekommt einen Minuspunkt für die Endabrechnung. Standardmäßig gewinnt das Team, das zuerst zehn Punkte für sich verbuchen kann. Siegesbedingungen und der mögliche Zeitrahmen zum Spielen von „Aargh!Tect“ lassen sich aber völlig flexibel auf eigene Bedürfnisse anpassen.
FAZIT |Dass ein leichter Schlag auf den Hinterkopf bekanntlich das Denkvermögen erhöht, beweist „Aargh!Tect“ zweifelsfrei. Die Lernkurve ist bei den zunächst ungewohnten Anweisungen dank der Keule steil. Wer sich von allen Hemmungen befreit, ist hier klar im Vorteil. „Aargh!Tect“ ist ein wahnsinniger Spaß. Ehe man sich versieht, klopft schon der erste Architekt mit seiner Keule unter lautem „Aargh!Tect“-Geschrei dreimal auf den Tisch, um sein fertiges Gebäude anzuzeigen. „Twister“ & Co. waren gestern, jetzt kommt „Aargh!Tect“. In diesem Sinne: Ugungu!










