JAKOB - Nur die Raben kennen den Weg
GENRE: Comic
VERLAG: Cross Cult
AUTOR: Felix Mertikat, Benjamin Schreuder
SEITEN: 64 | Hardcover
PREIS: 16,80 €
„Jakob, Deine Mutter ist von uns gegangen.“ Worte, die dem kleinen Jakob den Tod seiner Mutter in einfachen Worten nahebringen sollen und ihn doch in völligem Unverständnis zurücklassen. Wohin ist seine Mutter gegangen? Vor allen Dingen – warum ist sie ohne ihn gegangen? Da ihm niemand eine Erklärung geben kann, begibt sich der Achtjährige auf die Suche. In seiner kindlichen Naivität vertraut er den Aussagen der Erwachsenen, die ihm erzählen, nur die Raben wüssten den Weg. Doch wenngleich diese ihm die Antwort geben könnten, wollen sie ihm nichts verraten. Erst der Fuchs weist dem Jungen den Weg und tauscht Alter gegen Jugend mit dem verzweifelten Kind. Denn Jakob ist bereit, jeden Preis dafür zu zahlen, seine Mutter wieder zu sehen.
GAMESORBIT | Der Klappentext von „Jakob“ nennt u.a. Hans Christian Andersen, Antoine de Saint-Exupéry und Tim Burton als Einfluss. Seht Ihr Euch von diesen tatsächlich geprägt oder hat sich die Nähe zu deren Werk erst später herauskristallisiert?
BENJAMIN SCHREUDER| Das ist sicher nur ein kleiner Ausschnitt der äußeren Einflüsse. Und Burton ist für mich z.B. kein Einfluss, eher schon Terry Gilliams „Tideland“ und einige Elemente aus den Filmen Andrej Tarkowskijs und David Lynchs. Und klar, Felix und ich lieben den „Kleinen Prinzen“, zudem auch „Pinocchio“, die Grimm- und Andersen-Märchen, die meisten Michael Ende-Bücher, Franz Kafka und Haruki Murakimi. Unbewusst haben mich persönlich auch viele Kinderbücher geprägt, die mir früher vorgelesen wurden – dazu zählen u.a. diverse Janosch-Geschichten.
GO | Wie entstand die Idee zu „Jakob“?
FELIX MERTIKAT | Der Comic basiert auf einer Kurzgeschichte („Der siebte Rabe“) von mir, die ich 2005 geschrieben hatte.
BS| Felix hat mir das Grundkonzept seiner Kurzgeschichte 2008 mal bei einem Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt erzählt und mir dann freie Hand beim ersten Umschreiben gelassen. Im Spätwinter/Frühling 2009 folgte ein munteres Hin und Her an Ideen. Einen Großteil der Settings und Figuren haben wir in dieser Zeit komplett neu entwickelt. Geblieben von der alten Fassung ist nur der Junge, der voller Hoffnung seine tote Mutter sucht und dabei selbst stirbt... und die Raben, die den Weg kennen.
GO | Steht eine persönliche Tragik hinter der Geschichte, die in „Jakob“ erzählt wird?
BS | Für mich geht es in „Jakob“ viel universeller um Verlust. Wie oft verschwinden etwa Menschen aus unserem Leben (oder wir aus dem Leben anderer) ohne Abschied zu nehmen? Das plötzliche Auseinandergehen in einer Freundschaft, Beziehung oder Ehe ist wie ein (kleiner) Tod. Es muss nicht mal der Verlust eines Menschen sein, sondern von irgendetwas, das man liebgewonnen hat. Ein anderer Aspekt der „Jakob“-Geschichte ist sicherlich die Kinderperspektive auf den Tod. Ein Kind hat keine Vorstellung davon, dass jemand endgültig „weg“ ist und tröstet sich mit Bildern wie eben dem der Reise, die die Mutter angetreten hat. Jakob glaubt einfach, seine Mutter habe ihn vergessen und sei irgendwo an einem anderen Ort. Und irgendwie steckt ja auch viel Wahrheit in diesen Bildern... Sagt die Bezeichnung „tot“ wirklich etwas aus? Und lebt nicht jeder weiter in irgendeiner Form - und sei es nur in den Herzen anderer?
GO | Ihr kommt beide nur bedingt aus dem Comic-Bereich. Habt Ihr Euch bewusst ein etwas fremdes Terrain gewählt, um Euch dort auszuprobieren?
BS | Felix und ich sind eher die Bauchgefühl-Menschen und staunen manchmal selbst, wo uns das hinführt. Felix hat sich, soweit ich das sehe, allerdings schon bewusst entschieden ein Comic als Diplom zu machen und hat ja viel Erfahrung im Storyboard-Bereich. Wenn mir allerdings jemand vor eineinhalb Jahren erzählt hätte, dass ich mal einen Comic schreiben würde, hatte ich darüber wahrscheinlich noch gelacht... schließlich kam ich an die Filmakademie um für Film zu schreiben. Letztlich war das Projekt eine tolle Möglichkeit mich in neue Erzählformen und -medien einzuarbeiten.
GO | Bei „Jakob“ handelt es sich um Euer Diplom-Projekt für die Filmakademie Ludwigsburg. Was zwangsläufig die Frage aufwirft, ob es bei einer gedruckten Version bleibt oder ob ein Animationsfilm folgt.
FM | Für mich war es tatsächlich die Diplomarbeit, für Ben hingegen war es ein außerordentliches Projekt. Das heißt, er konnte es also nicht mal zur Bewertung einreichen, was ihm aber nichts von seiner Begeisterung und Lust am Projekt nahm. Derzeit arbeiten wir an einem Stills animated-Movie, so dass wir Jakob zwar nicht wirklich laufen sehen werden, aber zumindest als filmisches Comic. Wir beide würden uns natürlich sehr freuen, wenn Jakob dann irgendwann den Sprung zum echten Animationsfilm schaffen würde, aber wir selbst sind für eine solche Umsetzung nicht die passenden Leute.
GO | Wird es bei dieser Zusammenarbeit bleiben oder befinden sich weitere Projekte in Arbeit oder zumindest in Planung?
FM | Wir sind ein perfekt aufeinander abgestimmtes Team, so dass wir nicht nur gemeinsame Projekte angehen, sondern auch ein Crossmedia Studio gegründet haben und in einer WG zusammenwohnen. Derzeit sitzen wir an verschiedenen Geschichten und Projekten, einige Titel für ein eher kindliches Publikum und andere, die sich mehr an Erwachsene richten (wie der für Anfang 2011 geplante Comic „Opus Anima: Das Kupferherz“). Die Entwicklung läuft in unserem Studio Zeitland ab, wo wir in Zusammenarbeit mit unserem Freund und Kollegen Beren Baumgartner, der für Games und Projektmanagement/Produktion zuständig ist, unsere Geschichten weiter unabhängig und individuell entwickeln wollen.
GO | Benjamin, Felix, vielen Dank für das nette Gespräch!










