IM TRÜBEN FISCHEN - Private Eye: Tiefe Wasser
VERLAG: Redaktion Phantastik
AUTOR: Jan Christoph Steines
GRAFIK: Sylvia Schlüter u.a.
SPIELER: Ab 3
ALTER/USK: Ab 12 Jahren
DAUER: Ab 120 Minuten
SPIELINHALT: 80 Seiten
PREIS: UVP 14,95 € | Im Handel erhältlich.
Schon Goethe wusste: „Der Irrtum ist viel leichter zu erkennen als die Wahrheit zu finden. Der eine liegt auf der Oberfläche, damit lässt sich wohl fertig werden; diese ruht in der Tiefe, danach zu forschen ist nicht jedermanns Sache“. So zu finden in seinem Werke – Hamburger Ausgabe Bd. 12, Maximen und Reflexionen. Und so entlarven die Detektive in „Private Eye: Tiefe Wasser“ sowohl den Prunk der Monarchen samt prächtiger Empfänge als auch so manch bürgerliche Existenz als Fassade, die von den wahren Hintergründen mit ihren schmutzigen und blutigen Seiten ablenken.
Dabei enthüllen die Ermittler zuerst so manche Information als Irrtum, bis sie zur Wahrheit vordringen. Und dieser Vorstoß in die Tiefe ist gleichzeitig ein Blick in den Abgrund... Am Anfang der Ereignisse im London des Jahres 1895 scheint es noch nicht einmal einen Fall zu geben. Denn als der Exilrusse Victor Stassow bei dem Versuch, seinen Sohn zu retten, in der Themse ertrinkt, ist dies offensichtlich ein tragischer Unfall. Das Leben geht weiter, zumal ganz London im Bann eines wichtigen politischen Ereignisses steht: Zum ersten Mal besucht der Außenminister des russischen Zarenreichs die Hauptstadt des Empires.
Doch der prachtvolle Empfang durch Königin Victoria vor dem Buckingham Palace verläuft für die Detektive anders als geplant. Denn dort erkennt Victor Stassows Sohn Charles den Mann, der ihn in die Themse gestoßen hat – in der Delegation des russischen Ministers! Nun werden die Detektive Fragen stellen. Bald stellen sie fest, dass Victor Stassows bürgerliches Leben nur eine Fassade war. Unter deren Oberfläche entdecken sie nicht nur ein sorgfältig getarntes Doppelleben, sondern auch seine wahre Identität. Als Mitglied einer in Russland verbotenen oppositionellen Bewegung hat er an einer blutigen Tat mitgewirkt, welche die Geschichte veränderte. Die Frage, ob Stassow Terrorist oder Freiheitskämpfer war, müssen die Detektive für sich selbst beantworten.
Für das Zarenreich ist die Sachlage klar: Der Flüchtling muss zur Rechenschaft gezogen werden. Dafür sind alle Mittel recht auch deren schmutzige. Und ein von Ehrgeiz zerfressener Politiker deckt die russischen Aktivitäten. Als diese Verschwörung aufzufliegen droht, schreckt er nicht davor zurück, mit einem weiteren Verbrechen das Schweigen der Detektive zu erpressen. Können die Ermittler diese Greueltat verhindern? Gelingt es ihnen, die Hintergründe von Victor Stassows Tod aufzuklären und den zaristischen Agenten zu fassen?
Wenn ja, was dann? Ende gut – alles gut? Wie bereits zitiert, ist das Ergründen der Wahrheit nicht jedermanns Sache. Dieser Sachverhalt wird den Detektiven drastisch vor Augen geführt. Denn als sie denken alle schockierenden Ereignisse überstanden zu haben, erwartet sie am Ende noch eine besonders böse Überraschung!
Das neue Abenteuer „Tiefe Wasser“ von Jan Christoph Steines kommt mit gewichtigen 80 Seiten daher. Diesmal präsentieren die beiden Damen von der Redaktion Phantastik der Spielergemeinde neues und bisher unveröffentlichtes Material für das seit einigen Jahren neu aufgelegte „Private Eye“-Pen&Paper-Detektivrollenspiel im viktorianischen England. Wieder einmal ist es an einer Gruppe von Detektiven in bester Sherlock-Holmes-Manier zu ermitteln. So garantiert „Privat Eye: Tiefe Wasser“ erneut mehrere spannende Spielsitzungen.
Doch noch nie war „Private Eye“ so düster, der Grundtenor so pessimistisch. Auf der Schattenseite der Politik ist zwischen all den Geheimnissen, falschen Identitäten und willkürlichen Akten außerhalb des Gesetzes kein Platz für Menschlichkeit. Die Detektive müssen sich nicht nur ernsthaft fragen, wie sie zu ihrer eigenen Regierung stehen, sondern auch, wohin die so genannte Staatsräson manche Menschen führt. Ihre heile viktorianische Welt bekommt mehr als nur einige tiefe Risse...
Bereits zum fünften Mal beschert uns die Redaktion Phantastik ein hervorragendes Abenteuer zum Pen&Paper-Rollenspiel „Private Eye“. Hierfür hat sich Autor Jan Christoph Steines vollständig neues Material ausgedacht, welches in Umfang und Stimmigkeit vollkommen überzeugt. Der Abenteuer-Profi, im wahren Leben als Verlagsleiter bei Pegasus Spiele mit Rollenspielen bestens vertraut, erzählt hier eine Geschichte um Politik und Intrigen, welche in jeder historische Epoche nichts von ihrer Brisanz verlieren würde. Wohl dem, der einen Autor hat, der ein in seinem Urlaub solche Abenteuer zu schreiben weiß. Als Wehmutstropfen bleibt da nur, dass mit viel mehr Abenteuern in nächster Zeit von ihm wohl nicht zu rechnen sein wird. Denn der Jahresurlaub ist erstmal aufgebraucht... [up]






