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14.04.2010 16:12:49

ELFENMEISTER - Interview mit Bernhard Hennen

Spätestens mit seinem „Elfen“-Epos hat sich Bernhard Hennen in die oberste Liga der deutschsprachigen Fantasy-Autoren geschrieben. Dessen jüngster Teil, „Elfenkönigin“, mit dem der Krefelder Erfolgsautor einen weiteren bedeutenden Abschnitt innerhalb des komplexen Werks abschließt, ist vor einigen Wochen erschienen. Im Gespräch mit GamesOrbit blickt Hennen aber nicht nur auf dieses Werk, sondern wirft auch einen Blick in die Zukunft der Albenmark.
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GO | Auch wenn Sie sich in zahlreichen weiteren Bereichen bewegen, scheint die Welt der Elfen sich doch mittlerweile zur - zumindest derzeit - wichtigsten in ihrer Arbeit als Autor entwickelt zu haben. Was fasziniert Sie daran so sehr, dass Sie immer wieder zu ihr zurückkehren?
HENNEN | Es ist die Vielfältigkeit der Schauplätze Albenmarks, der Zerbrochenen Welt und der Welt der Menschen, die es erlaubt, so viele Geschichten zu erzählen. Auch bewege ich mich mit den Romanen in unterschiedlichen Zeitschienen, wie dem dritten Trollkrieg in Albenmark oder der Zeit der Vernichtung des Heidentums durch die Tjuredkirche. Daraus ergeben sich erzählerisch sehr unterschiedliche Ansätze, und ich hatte die Möglichkeit, der Leserschaft eine gute Mischung aus Altvertrautem und Neuem zu bieten. Besonders reizvoll ist auch die Langlebigkeit der Elfen, die es erlaubt, Handlungsbögen zu entwerfen, wie sie in historischen Romanen niemals möglich wären. Dies ist gleich im ersten Roman, „Die Elfen“, ein großes Thema, wo die Protagonisten den Aufstieg und Fall eines Königreichs in einer Zeit von rund tausend Jahren miterleben. Aufgrund dieser Eigenart ist es zulässig, Elfenhelden in verschiedenen Epochen auftreten zu lassen, was beim Schreiben einfach Spaß macht.

GO | Mit „Elfenkönigin“ findet nun ein weiteres Epos innerhalb des Elfen-Zyklus seinen Abschluss. Überwiegt im Moment der Fertigstellung die Freude, einen bedeutenden Komplex zum Ende gebracht zu haben, oder das Bedauern, sich von einigen Charakteren und von einem Thema, das einen über Jahre beschäftigt hat, verabschieden zu müssen?
HENNEN | Im ersten Moment nach der Fertigstellung eines Buches sind die vorherrschenden Gefühle Erschöpfung und Erleichterung. Bei „Elfenkönigin“ kam auch noch große Zufriedenheit dazu, denn das Ende war in all seinen Facetten genau so geraten, wie ich es haben wollte. Das Finale erstreckt sich über rund 90 Seiten, und alle Handlungsstränge werden noch einmal aufgegriffen. Mit etwas Abstand kommt dann die Wehmut, eine große Geschichte abgeschlossen zu haben und damit auch einen Lebensabschnitt. Die Trollkriegstrilogie umfasst mit ihren drei Bänden 2.700 Romanseiten, was etwa drei Arbeitsjahren entspricht. Für melancholisches Brüten bleibt aber eigentlich keine Zeit, da ich längst mit Leib und Seele beim nächsten Projekt bin.

GO | Die Welt der Elfen ist immer weiter gewachsen und komplexer geworden - wie sehr muss man als Erfinder dieses Universums darauf achten, nicht den Überblick über die Charaktere, Rassen und geschichtlichen Gegebenheiten zu verlieren?
HENNEN | Natürlich wächst mit jeder Seite die Komplexität der Welt. Der einzige Weg, hier den Überblick zu behalten, ist ein internes Glossar, an dem ich seit Jahren schreibe, und das inzwischen den Umfang eines Romans angenommen hat. Dort finden sich zu allen Figuren der Bücher kurze Angaben. Auch Schauplätze sind aufgelistet, verschiedene Pflanzen und Tiere, Fachtermini aus unterschiedlichen Epochen – schlicht alles, was irgendwann noch einmal wichtig werden könnte. Daneben arbeite ich zurzeit an einem umfassenden Kartenwerk zu den drei Welten und hoffe, in etwa einem Jahr eine Weltkarte Albenmarks vorlegen zu können.

GO | Dem Vernehmen nach ist bereits die nächste Elfen-Trilogie in Bearbeitung. Können Sie auf deren Inhalt schon einen ersten Ausblick geben und auch schon einschätzen, wann Ihre Leser mit dem ersten Band daraus rechnen können?
HENNEN | Der erste Band der „Drachenelfen-Reihe“ (das ist der Arbeitstitel) wird im Frühjahr 2011 erscheinen, der zweite schon im Herbst. Diesmal mache ich einen Zeitsprung, der zurück führt in die Epoche, in der die Drachen das vorherrschende Volk Albenmarks waren. Eine Hauptfigur wird Nandalee, Emerelles Mutter, sein. Auch die Zwerge Albenmarks, die seit dem ersten Elfen-Roman ein Schattendasein gefristet haben, werden hier wieder auftreten. Die Welt der Menschen hat ein völlig anderes Gesicht, als die Leser es gewohnt sind. Es ist eine Zeit der Großreiche. Die Devanthar haben die Blüte ihrer Macht erreicht und beginnen entgegen alten Absprachen mit den Alben mit der Besiedlung jener Welt, die später einmal die Zerbrochene Welt heißen wird.

GO | Lange Zeit und von wenigen Ausnahmen abgesehen, galt Fantasy nur als eine Randerscheinung in der Literatur, die nur einen sehr begrenzten Kreis an Lesern anspricht. In den vergangenen Jahren aber ist das Interesse daran stark gestiegen. Sind Sie manchmal selber überrascht, welche Popularität die Gattung im Allgemeinen und Sie als Autor selbst mittlerweile erfahren?
HENNEN | Überrascht und erfreut. Ich schreibe seit 17 Jahren Romane und werde die Zeiten, in denen es trotz allem Fleiß gerade mal für ein 13 Quadratmeter großes Zimmer reichte, niemals vergessen. Ich denke, die Fantasy hat sich gewandelt und ist facettenreicher geworden. Allerdings spielen mit Sicherheit auch die Harry Potter – Romane und die großartige „Herr der Ringe“-Verfilmung eine Rolle dabei, dass dieses Genre endlich aus dem Schatten getreten ist.

GO | Wie wichtig ist es dabei für Sie, sich neben dem Schreiben Freiräume zu schaffen, in denen Sie anderen Interessen nachgehen können?
HENNEN | Da man Kreativität nicht erzwingen kann, ist es wichtig, sich Freiräume zu erhalten. In meinem Beruf bin ich in der sehr privilegierten Position, keinen Chef zu haben, der kontrolliert, wann ich wie lange am Schreibtisch sitze. Das heißt, es bleibt Zeit, einfach mal eine Stunde mit meinen Kindern zu spielen, einen Spaziergang zu machen oder sich mit einem Freund zum Schwertkampf zu treffen. Die Schattenseite ist allerdings, dass man „gefühlt“ nie richtig frei hat, denn es gibt immer noch etwas zu erledigen und das Büro liegt direkt neben meiner Wohnung.

GO | Private Hobbys und Beruf scheinen sich bei Ihnen perfekt zu ergänzen. Ziehen Sie aus Ihren privaten Aktivitäten nach wie vor Ideen und Anregungen für Ihre Arbeiten?
HENNEN | Freizeitspaß und Beruf gehen bei mir oft fließend ineinander über. Ich lese gern und betrachte dies als eine der Voraussetzungen, um als Autor zu arbeiten. Erst letzte Woche habe ich einige Lektionen über den Einsatz des Rundschilds im Schildwallkampf gelernt, was nicht ohne blaue Flecken abging und bestimmt eines Tages in eines meiner Bücher einfließen wird. Ein weiteres privates Hobby sind Tabletops, die Simulation von Schlachten mit Zinnfiguren. Und auch dies dient mitunter als Anregung, um Schlachtszenen plastischer beschreiben zu können. Auch reise ich gerne, um neue Anregungen zum Schreiben zu bekommen. Mit anderen Worten, ich muss wohl eingestehen, dass ich für mich den Traumberuf gefunden habe.

GO | Mit Wolfgang Hohlbein stand Ihnen in Ihren Anfangstagen als Fantasy-Autor eine renommierte Genregröße zur Seite, die Ihnen die ersten Schritte erleichterte. Sind Sie ihrerseits als mittlerweile etablierter Autor in Kontakt mit jungen Nachwuchsschriftstellern?
HENNEN | Ich bin mir bewusst, dass ich beim Einstieg in meinen Beruf großes Glück hatte. Die Phase der endlosen Absagen, die fast alle Jungautoren durchmachen müssen, habe ich durch Wolfgangs Hilfe einfach übersprungen. Aufgrund dieses Einstiegs in mein Berufsleben ist es mir ein Anliegen, jungen Autoren zu helfen, wo meine Möglichkeiten das zulassen. So war ich zum Beispiel im letzten Jahr in der Jury des Heyne Verlags, die über die besten unter den unter dem Titel „Magische Bestseller“ eingesandten Manuskripte entschieden hat. Ich hoffe, auch in den nächsten Monaten drei Jungautoren zu einer ersten größeren Publikation zu verhelfen.

GO | Herr Hennen, wir danken Ihnen vielmals für das ausführliche Gespräch!

DER AUTOR | BERNHARD HENNEN
Geboren 1966 in Krefeld, studierte Bernhard Hennen Germanistik, Archäologie und Geschichte an der Universität Köln. Schon während seiner Studienzeit war er als Journalist für verschiedene Rundfunkstationen, Zeitungen und Magazine im Einsatz, um schließlich beim Westdeutschen Rundfunk als Redakteur tätig zu sein. Daneben schrieb er regelmäßig für die Fantasyzeitschrift „ZauberZeit“. Für das Rollenspiel „Das Schwarze Auge“ verfasste er zahlreiche Abenteuerbücher, um im Verbund mit Wolfgang Hohlbein, mit dem ihn nach wie vor eine enge Freundschaft verbindet, schließlich 1994 mit „Das Jahr des Greifen“ seinen ersten Roman zu veröffentlichen, der prompt als beste deutsche Fantasyveröffentlichung des Jahres ausgezeichnet wurde. Seitdem hat Bernhard Hennen, neben einer Reihe von Kurzgeschichten, über 25 phantastische und historische Romane geschrieben. Mit dem Elfenzyklus stieß er endgültig in die erste Reihe der deutschen Fantasyautoren vor. Daneben entwickelte Hennen, der seit 2000 mit seiner Familie in Krefeld lebt, die Geschichte zu einem Computerspiel. Als passionierter Tabletop-Spieler hat sich Hennen über die Jahre eine beeindruckende Sammlung an Figuren zusammengestellt, mit deren Hilfe er zahlreiche der in seinen Romanen vorkommenden Schlachten vorab durchspielt.