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20.10.2011 12:42:29

DES JAHRHUNDERT-EPOS’ ZWEITER TEIL - Die Furcht des Weisen 1

Es begann als leichte Böe, um sich innerhalb kürzester Zeit zu einem wahren Orkan auszuwachsen, der die Fantasy-Szene gehörig durcheinander wirbelte: Mit seinem Debut „Der Name des Windes“ legte Patrick Rothfuss einen Erstling vor, der mit seiner Sprachgewalt und seinem Einfallsreichtum eine wahre Sensation darstellte. Nicht wenige Kritiker und Leser sahen darin ein Werk, welches sich dem eigentlich für alle Zeiten übermächtigen „Der Herr der Ringe“ als ebenbürtig erwies. Der nun erschienene zweite Band des Epos zeigt, dass diese Einschätzung keineswegs übertrieben ist.
BILDERSTRECKE
Die Furcht des Weisen 1
PRODUKTINFORMATION
DIE FURCHT DES WEISEN 1 DIE KÖNIGSMÖRDER-CHRONIK. ZWEITER TAG. BAND 1

VERLAG: Klett-Cotta
AUTOR: Patrick Rothfuss
SEITEN: 800 | Gebunden mit Schutzumschlag
PREIS: 24,95 € | Im Handel erhältlich
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Mit „Die Furcht der Weisen 1“ setzt Rothfuss die außergewöhnliche Erzählung der Abenteuer des
Magiers Kvothe fort. Zur Erinnerung: Im ersten Band des Abenteuers, „Der Name des Windes“, war zu erleben, wie der junge Kvothe, Sohn fahrender Spielleute, zeuge wird, wie seine Eltern bei einem Angriff mystischer Gestalten auf ihre Lager das Leben verloren. Chandrian nennen sich diese phantastischen Mörder, auf deren Spuren sich Kvothe fortan setzt. Er lebt eine Weile als Straßenjunge in der Hafenstadt Tarbean, wo er sich nicht nur einige Menschenkenntnis aneignet, sondern lernt, auch mit den widrigsten Umständen klarzukommen. Schließlich gelingt es ihm, an der Universität für hohe Magie aufgenommen zu werden. Hier sieht er seine Chance, nicht nur in der Bibliothek der Lehranstalt dem Geheimnis der Chandrian auf die Spur zu kommen, sondern sich auch in den magischen Künsten soweit zu schulen, dass er diesen schließlich
entgegen treten kann. Doch das Leben an der Universität verlangt Kvothe, der gänzlich ohne Mittel dasteht und sich vornehmlich auf seinen Witz, seinen Geist und seine herausragenden Fähigkeiten als Musiker verlassen muss, um das nötige Geld für das Studium wie zum Leben aufzutreiben, einiges ab. Seine ungestüme Art tut das ihre dazu, dass er nicht nur treue Freunde und Unterstützer findet, sondern sich auch bald einige mächtige Feinde macht. Obwohl er sich schnell als eines der größten Talente entpuppt, das die Universität je gesehen hat, wird sein Leben dort zum täglichen Kampf – manchmal sogar ums Überleben.
„Die Furcht der Weisen 1“ (aufgrund seines Umfangs wurde das englische Original in der deutschen Übersetzung in zwei Bände aufgeteilt) knüpft nun nahtlos an das Ende des ersten Teils an und nimmt seinen Auftakt in jenem „Wirtshaus zum Wegstein“, welches Kvothe unter dem Namen Kote in einem klei-
nen Weiler, von den Einwohnern unerkannt, betreibt. Lediglich ein Schreiber ist ihm auf die Spur gekommen, dem Kvothe nun seine Lebensgeschichte berichtet. Nachdem
„Der Name des Windes“ mit einer tödlichen Auseinandersetzung im Wirtshaus sein Ende gefunden hatte, nimmt Kvothe seine Erzählung nun wieder auf. Um von seinem weiteren Dasein als Student an der Universität zu berichten, welches eine Menge Prüfungen für ihn bereit hält. Und dazu zählen nicht nur die offiziellen am Ende eines Trimesters, die dieses Mal für ihn unter keinem guten Stern zu stehen scheinen. Denn die Auseinandersetzung, die er mit Ambrose, arroganter und überheblicher Sohn aus reichem Hause, führt, setzt sich weiter fort und kennt keinerlei Grenzen. So führt Ambrose Kvothe kurz vor dessen Prüfungstermin nicht nur ein gefährliches Gift zu, sondern greift ihn, nachdem Kvothe vergeblich versucht hat, einen für ihn bedeutsamen Gegenstand
aus Ambrose Zimmer zu entwenden, mitunerlaubten Zaubern an, die Leben kosten können. Mit Hilfe seiner Freunde gelingt es Kvothe zwar, sich der Angriffe zu entledigen, das Trimester zu einem einigermaßen versöhnlichen Abschluss zu bringen und seinem Gegenspieler sogar noch ein Schnippchen zu schlagen, doch seine Position an der Universität wie in der kleinen Stadt wird immer schwieriger.
So entschließt er sich, von seinen Kommilitonen wie einem wohlwollenden Dozenten dazu gedrängt, trotz allem Widerwillen ein Trimester auszusetzen, um ein wenig Gras über die letzten Vorkommnisse wachsen zu lassen. Da kommt ihm das Angebot des ihm wohlmeinenden Grafen Threpe gerade recht, der schon seit langem einen reichen Schirmherrn für Kvothe sucht und nun in Maer Alveron den richtigen Mann gefunden zu haben meint. Dieser, unermesslich reich und in praktisch königlicher Position, hat seinen Palast im fernen Vint, was Kvothe nicht unrecht ist. Hofft er doch damit nicht nur weit genug entfernt von der Universität zu sein, sondern spekuliert auch auf neue Bibliotheken und Fundstellen, an denen sich nach Spuren über die Chandrian suchen lässt.
Damit nimmt eine Reise ihren Auftakt, in deren Verlauf Kvothe alle seine Habseligkeiten bis auf seine geliebte Laute verliert und nur knapp mit dem Leben davon kommt. Doch endlich in Vint angekommen, zeigt sich schnell, dass sein Leben auch hier noch lange nicht in ruhigeres Fahrwasser
gerät. Denn auch im Hause von Maer Alveron, wo er schließlich aufgenommen wird, drohen eine Menge Gefahren. Zudem sehnt er sich bald nach seinen alten Gefährten und vor allen nach der geheimnisvollen Denna, die ihm nicht aus dem Kopf gehen will.

FAZIT |  

Mag „Die Furcht der Weisen 1“ noch so ein gewaltiger Epos sein, so findet sich doch keine Seite, die auch nur im geringsten Langeweile verbreiten würde. Der vielmehr dafür sorgt, die Lust auf diese einzigartige Saga weiter zu füttern und zu fördern. So lässt Rothfuss tatsächlich ganz bewusst ganze Episoden aus Kvothes Leben aus und deutet diese nur kurz an, um den Roman nicht endgültig aus allen Nähten platzen zu lassen. Trotzdem liest sich „Die Furcht der Weisen 1“ in jedem Kapitel, auf jeder Seite frisch, unterhaltsam, spannend und mitreißend. Was einerseits an Rothfuss’ beeindruckendem Einfallsreichtum wie auch an seinen herausragenden sprachlichen Möglichkeiten liegt. Dazu gelingt es ihm, die Spannungsbögen perfekt zu inszenieren, um zudem auch ein nicht zu kleines humoristisches Talent an den Tag zu legen. So bleibt letztendlich nur eine Frage offen: Wie soll es nur gelingen, die Zeit bis zum Erscheinen des zweiten Teils von „Die Furcht der Weisen“ zu überstehen, welcher Ende Februar des kommenden Jahres in den Läden stehen wird? [aw]