BLUTGRÄTSCHE - Blood Bowl Digital
VERLAG: Focus Home Entertainment | Koch Media
SPIELER: Einzel- und Multispieler
Als Brettspiel erfreut sich die Mischung aus Sportspektakel und Strategiespiel schon seit Jahren stetig wachsender Beliebtheit. Mitte der Neunziger wurde die, von Jervis Johnson entwickelte, ultrabrutale Football-Variante von Games Workshop erstmals veröffentlicht. Seine Hochzeit in den Neunziger Jahren erlebend, kann sich der Titel nach wie vor einer treuen Fangemeinde sicher sein, was nicht zuletzt Erfinder Johnson zu verdanken ist, der das Spielsystem mit immer neuen Regeln und Erweiterungen aktualisierte und verbesserte. Was sich nicht zuletzt anhand der zahlreichen Webseiten und Communities belegen lässt, in denen sich die Anhänger des Spiels über die neuesten Entwicklungen und Gerüchte aus dem „Blood Bowl“-Universum austauschen und auf dem Laufenden halten.
Nach seinem Erfolg als Brettspiel erfährt „Blood Bowl“ nun seine überfällige Umsetzung als digitales Strategiespektakel, das auf allen derzeit angesagten Systemen für ein höllischen Tacklingspaß sorgen wird. In seiner Grundidee unterscheidet sich „Blood Bowl“ nicht erheblich von anderen Sportspielen: zwei Teams, ein Ball, so lauten, auf das einfachste reduziert, die Grundlagen des Spektakels. Punkte lassen sich erzielen, indem man den Ball in die gegnerische Endzone trägt. Aber natürlich hat das Sportereignis, in dem sich Orks, Zwerge, Elfen und zahlreiche weitere Rassen in einheitlichen oder gemischten Teams messen, eine ganze Menge an Abwechslung zu bieten. Denn um den stacheligen Ball in die gegnerische Endzone zu bugsieren, mag zwar nicht jedes Mittel erlaubt sein – was die Kontrahenten aber nicht im geringsten stört. So hat sich so mancher Spieler in einem Moment, in dem der Schiedsrichter gerade seinen Blick auf einen anderen Teil des Spielfelds richtet, üble Verletzungen eingeholt, die nicht nur die eine oder andere hoffnungsvolle Karriere beendet hat, sondern des Öfteren sogar tödlich sind. Dem Gegner schnell einen überzuziehen, wenn der Unparteiische gerade anderweitig beschäftigt ist, gehört somit praktisch zum guten Ton des Spiels, und wird, zumindest von den eigenen Fans, sogar erwartet. Allzu große Fairness jedenfalls sollte man nicht an den Tag legen, wenn man eine Partie für sich entscheiden will, sondern durchaus seinen niederen Instinkten freien Lauf lassen. Auch Zauberer, die man einkaufen kann, dienen als wertvolle Unterstützung und können von der Bank aus mit ihren Sprüchen entscheidenden Einfluss auf eine Partie nehmen.
Die taktischen Möglichkeiten, die „Blood Bowl“ zu bieten hat, sind vielfältig und erschließen sich im Verlaufe des Spiels erst nach und nach, so dass auch erfahrene Zocker immer wieder neue Varianten ausprobieren können. Neben einem schnellen Einzelspiel kann man sich auch für die Teilnahme an einer Meisterschaft entscheiden und damit, wenn man es denn richtig wissen will, sein Glück in einer ausführlichen Kampagne versuchen. Hier tritt man in mehreren Saisons gegen über 60 Teams an. Im Kampagnenmodus wird der Strategiekracher „Blood Bowl“ um einen exzellenten Managerteil ergänzt. Ist man hier doch für die gesamte Entwicklung seines Teams verantwortlich, kauft und verkauft Spieler, baut deren Fähigkeiten aus, rüstet sie mit den entsprechenden Gegenständen aus, heuert Cheerleader und Sanitäter an, um schließlich auch mit Sponsoren zu verhandeln, die mit ihren Geldern helfen, das Team immer weiter zu verbessern. Um es schließlich dahin zu bringen, wo es hin soll: zum großen Finalturnier, dem Blood Bowl. Doch Vorsicht ist angebracht: Auch die anderen Teams schlafen nicht und kennen in dem Willen, sich ganz nach oben zu arbeiten, weder Freunde noch Verwandte.
Für beide Varianten stehen zwei völlig unterschiedliche Regelmodi zur Auswahl, die für eine zusätzliche Portion an Abwechslung sorgen. Im „Klassisch“ genannten Modus orientiert sich das Regelwerk strikt an der Brettspielvorlage. Darüber dürften sich Spieler, die schon seit längerem dem ursprünglichen „Blood Bowl“ verfallen sind, sehr freuen, ermöglicht es ihnen doch, die liebgewonnene Brettspieledition in einer imposanten grafischen Variante zu erleben, ohne sich groß mit neuen Spielregeln vertraut machen zu müssen. Der Modus „Blitz“ hingegen peppt die klassischen Anweisungen gehörig auf. Zahlreiche zusätzliche Optionen lassen den Spielspaß dabei noch einmal in die Höhe schnellen. So hat man hier die Möglichkeit, sein eigenes Team im Verlaufe der Meisterschaft mit neuen Ausrüstungsgegenständen gegenüber den Opponenten in Vorteil zu bringen. Wer möchte, kann das gegnerische Team auch auf die Verwendung von Mitteln testen, die auf unlautere Art und Weise die Leistung steigern. Eine weitere Zusatzmöglichkeit bieten die bereits erwähnten Zauberer, die mit ihrer Magie so manche schon verloren geglaubte Partie schnell drehen können. Besonders interessant wird der „Blitz“-Modus aber dadurch, dass sich hier nicht nur rundenbasiert spielen lässt, sondern man auch in Echtzeit das feindliche Team verprügeln und spielerisch in seine Schranken weisen kann. In diesem rasanten Spielmodus, der tatsächlich das Gefühl vermittelt, mitten in der Partie dabei zu sein, gibt man seinen Spielern direkte Anweisungen, während der Rest des Teams von der KI auf der Basis dieser Vorgaben gesteuert wird.
Da „Blood Bowl“ ein Teamspiel ist, drängt es sich geradezu auf, sich mit anderen Spielern harte sportliche Auseinandersetzungen zu liefern. Schließlich macht es doch am meisten Spaß, nicht gegen einen Computergegner, sondern gegen einen Kontrahenten aus Fleisch und Blut anzutreten. Möglich ist das in der PC-Version sowohl im Netzwerk als auch im „Hotseat“-Modus, bei dem man am Computer mit Gegenspielern um Punkte, Ruhm und Ehre kämpft. Richtig rund geht es aber Online: hier steht ein umfangreiches System an Ligen und Turnieren zur Verfügung, bei denen Spieler ihr Team anmelden, stetig verbessern und im Laufe der Zeit zu Titelaspiranten entwickeln können.
FAZIT |Es macht einen höllischen Spaß, seine Gegner im wahrsten Sinne des Wortes ins Gras beißen zu lassen und sich bei den Auseinandersetzungen mit anderen Teams so manches unsauberen Mittels zu bedienen. Doch „Blood Bowl“ übt nicht nur eine unheimliche Faszination aus, wenn es darum geht, ein schnelles Spielchen zwischendurch zu absolvieren. Der Turnier- und Ligamodus sorgt vielmehr für dauerhafte Begeisterung und mit dem ausgeklügelten Managementsystem dafür, dass das Spiel auch nach zahlreichen Durchgängen immer spannend und unterhaltsam bleibt. Dabei gelingt „Blood Bowl“ das außergewöhnliche Kunststück, gleich zwei unterschiedliche Spielergruppen zu begeistern. Um zudem sowohl Neueinsteigern eine aufregende Mischung aus Taktik und Action zu geben wie Fans des Brettspiels eine Umsetzung zu bieten, die auch nicht nur den kleinsten Raum für Kritik lässt. Denn neben einem tollen Gameplay und unzähligen begeisternden Features kann „Blood Bowl“ auch mit wunderbarer Grafik und großartigem Sound eine Menge Punkte sammeln. Ganz klar – dieser Titel hat das Zeug zum Champion und wird, einmal in den Schächten der Konsolen und PCs gelandet, dort so schnell nicht mehr heraus zu bekommen sein.










