BEDROHLICHES PARADIES - Risen
GENRE: Action-Rollenspiel
VERLAG: Deep Silver | Koch Media
SYSTEM: PC, Xbox 360
ALTER/USK: Ab 12 Jahren
PREIS: PC: 49,99 €, PC CE: 59,99 €, Xbox 360: 69,99 € | Im Handel erhältlich
An den Gestaden einer fremden Insel wird ein Schiffbrüchiger angeschwemmt, der nicht nur seine gesamte Habe, sondern zudem auch noch sein Gedächtnis verloren hat. Die erste Freude über die glückliche Rettung vor dem Tod aber weicht bald ernsthaften Zweifeln. Scheint das Eiland doch alles andere als ein friedliches Paradies inmitten der Weiten des Meeres, sondern vielmehr ein äußerst bedrohlicher Ort zu sein, an dem es an Gefahren nicht mangelt. Ein neu zum Leben erwachter Vulkan sorgt in gleichem Maße für Angst und Schrecken wie die monströsen Wesen, die es auf die Einwohner der Insel abgesehen zu haben scheinen. Die Kräfte des Vulkans lassen zudem mysteriöse Ruinen aus dem Erdboden auftauchen, und eine ebenso geheimnisvolle wie mächtige Inquisition macht auf der Suche nach mythischen Artefakten vor nichts und niemand halt. So findet sich der Held des Spiels, gerade erst dem Tod von der Schippe gesprungen, inmitten eines gefährlichen Abenteuers wieder, von dessen Ausgang das Schicksal einer ganzen Welt abhängt.
Schön und bedrohlich
Schon die ersten Schritte in der Welt von „Risen“ führen die grafische Klasse des Spiels eindrucksvoll vor Augen: sanft schlagen die Wellen am, von Schiffstrümmern übersäten, Strand auf, der Blick ins kristallklare Wasser gewährt freie Sicht auf den sandigen Bogen und die Blätter der majestätischen Palmen wiegen sich sanft im Wind. Sobald man den Strand verlässt, offenbaren sich weitere grafische Wunderwerke wie tiefe Wälder, in denen sich das Sonnenlicht durch das Blätterdach bricht, weite Ebenen und Felder und malerische Städte. Ein realistischer Wechsel zwischen Tag und Nacht sorgt für weitere Abwechslung und so manchen traumhaften Sonnenuntergang. Doch die Welt von „Risen“ hat selbstverständlich auch ihre bedrohlichen Seiten, wie man schnell feststellen muss: düstere Höhlen warten auf den Spieler, zahlreiche Monster und wilde Kreaturen, die allein durch ihren Anblick das Fürchten lehren. Den grafischen Finessen stehen die klanglichen Qualitäten in nichts nach. Dabei dient die Geräuschkulisse nicht nur zur atmosphärischen Untermalung des Spielgeschehens, sondern hat auch durchaus ihren Einfluss darauf. Wer sich heimlich an einen Gegner heranschleichen will, sollte dabei tunlichst vermeiden, jeglichen Laut von sich zu geben. Sämtliche Dialoge wurden zudem professionell vertont, was der außergewöhnlichen Stimmung weiter zuträglich ist.
Größtmögliche Entscheidungsfreiheit
Gleich zu Beginn der abenteuerlichen Reise durch die ebenso schöne wie gefährliche Welt von „Risen“ steht der Abenteurer vor einer ersten, grundlegenden Entscheidung: macht er sich alleine auf den Weg, um den Rätseln der Insel auf die Spur zu kommen oder folgt er der hübschen Leidensgenossin, die wie er den Schiffbruch überlebt hat, um mit ihr gemeinsam die anstehenden Aufgaben zu lösen? Auch im weiteren Spielverlauf steht es dem Spieler immer wieder frei, eigene Entscheidungen zu treffen und sich der Lösung einer Aufgabe auf verschiedenen Wegen zu nähern, was den weiteren Verlauf der Erlebnisse immer wieder neu beeinflusst. Dabei glänzt „Risen“ mit einer interaktiven Erzählweise wie noch kein vergleichbarer Titel zuvor. Intelligente Nichtspieler-Charaktere erleichtern zwar den Einstieg in das Spiel, nehmen den Helden zwischenzeitlich ein wenig an die Hand und vermitteln so die Handhabung von „Risen“ auf die denkbar praktischste wie einfachste Art und Weise, um dem Spieler dabei aber alle grundlegenden Entscheidungen zu überlassen. Deren wichtigste steht bereits nach einigen Tagen, die man auf der Insel verbracht hat, an. Wird das Eiland doch von zwei Fraktionen beherrscht, die völlig unterschiedliche Ansichten vertreten und konträre Ziele verfolgen. Hat man sich mit deren Positionen erst einmal vertraut gemacht, gilt es, sich auf eine Seite zu schlagen, was den weiteren Verlauf der Geschichte erheblich verändert.
Ausgeklügeltes Kampfsystem
Wenngleich sich viele Aufgaben mit ein wenig Köpfchen lösen lassen, kommt man bei „Risen“ um zahlreiche blutige Auseinandersetzungen erwartungsgemäß nicht herum. Diese sind aber keineswegs lästiges Pflichtprogramm, wenn es darum geht, den eigenen Charakter weiter zu entwickeln, sondern sorgen vielmehr für eine gehörige Portion an zusätzlicher Abwechslung und Spannung. Alle Kämpfe, ob nun gegen Monster, Menschen oder auch die Tierwelt der Insel finden in Echtzeit statt und gestalten sich, abhängig von der eingesetzten Waffe, völlig unterschiedlich. Um sein Schwert, seine Axt oder seinen Bogen möglichst effektiv einsetzen zu können, bedarf es allerdings einiger Erfahrung. So zeigen sich Novizen an den jeweiligen Kampfwerkzeugen dementsprechend ungeschickt. Ein Umstand, dem mit einem Besuch bei einem erfahrenen Meister aber abzuhelfen ist, so dass man sich im Fortgang des Spieles immer geschickter im Umgang mit den Tötungswerkzeugen zeigt. Doch auch auf andere Art und Weise kann man sich zu Vorteilen im Kampf verhelfen, indem man sich beispielsweise an seinen Gegner heranschleicht und diesen hinterrücks anfällt oder durch die Nutzung natürlicher Gegebenheiten zur Deckung. Neben dem Einsatz von klassischen Waffen aber steht dem Spieler auch ein umfangreiches Arsenal an Zaubersprüchen zur Verfügung, die nicht nur im Kampf von Nutzen, sondern auch in vielen anderen Situationen während des Spiels äußerst hilfreich sind. Doch auch Kampf und Magie sind nicht alles. Wer sich lieber im Verborgenen bewegt und die Heimlichkeit vorzieht, dem sei eine Karriere als Meisterdieb ans Herz gelegt, die so manch ungeahnte Möglichkeit eröffnet.
Beeindruckender Detailreichtum
Ob die bereits erwähnten grafischen Feinheiten, die zahlreichen unterschiedlichen Charaktere, die Masse an Quests und Aufgaben, die es zu lösen gilt, unzählige Orte, Katakomben, Höhlen und Kanalisationen, die zu Erkunden sich der Spieler aufmachen kann oder originelle Sprüche wie der „Lachanfall“-Zauber – „Risen“ scheint geradezu zu bersten vor Ideen und Einfällen, ohne dass das Spiel überladen wirkt. Doch bei allem Detailreichtum haben die Entwickler glücklicherweise nicht die eigentlichen Inhalte aus den Augen verloren und „Risen“ eine extrem spannende Geschichte verpasst. Die, auch wenn grundsätzlich äußerst ernst und düster gehalten, mit einer gehörigen Portion Humor aufwarten kann, wie man ihn schon von den „Gothic“-Titeln gewohnt ist. So darf man sich auf den einen oder anderen lustigen Dialog jetzt schon freuen. Dabei kann es durchaus hilfreich sein, wenn man nicht ganz auf dem Mund gefallen ist, um einigen eher unfreundlichen und schroffen Zeitgenossen mal schnell mit Worten in die Schranken zu verweisen oder um sich beim Handel einen nicht zu unterschätzenden Vorteil zu verschaffen. Nicht nur für Freude sorgen dagegen die kleinen Gnome, die die Insel bevölkern, sammeln diese doch so ziemlich alles ein, was ihnen in die Finger kommt – wozu gerne auch mal die Ausrüstung schlafender Helden zählt.
Eine tolle, mitreißende Geschichte, großartige Grafiken, beeindruckender Sound und ein ganz eigenes Spielgefühl, das unglaublichen Spielspaß garantiert: „Risen“ ist ein mehr als nur würdiger Nachfolger zu „Gothic“, sondern tatsächlich und ohne jede Übertreibung das Action-Rollenspiel des Jahres. Den Entwicklern von Piranha Bytes ist damit das großartige Kunststück gelungen, einen Titel zu erschaffen, der nicht nur Fans der Vorgänger begeistern, sondern auch zahlreiche neue Freunde finden wird. Doch nicht nur PC-Zocker werden der Softwareschmiede für den neuen Rollenspiel-Blockbuster dankbar sein, sondern auch Nutzer der Xbox 360, die ja nicht gerade üppig mit Rollenspielen versorgt wird. Dabei handelt es sich bei der Konsolenversion mitnichten um eine Adaption des PC-Titels, sondern um eine völlig eigenständige Entwicklung, so dass die Möglichkeiten, die die Xbox 360 zu bieten hat, auch wirklich vollkommen ausgeschöpft werden.







